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Deutsches Lied


Hat tändelnd Glockenspiel, hat Zithertönen

Mein Ohr in lust'ger Weise leicht umklungen?

»'s ist fränkisch Lied, am Seinestrand gesungen!

Dem leichten Sinne gnügt ein leichtes Spiel,

Ein ernsteres Gemüth sucht sich ein würd'ger Ziel!«

 

Was klingt so hold die Alpenhöhn herüber?

O süße Lust, o himmlisch schöne Lieder!

»'s ist welscher Sang! – Wie Flöten tönt er wieder;

Die Sinn' umwogt ein Heer von Harmonie:

Das Ohr entzückt es wohl, das Herz befriedigt's nie.«

 

Was brauset durch den Eichenhain daher,

Mit Donnerskraft und tobend wie das Meer? –

»'s ist deutsches Lied, machtvoll und inhaltschwer!«

Was stürmt's so wild? »'s will zu den Sternen dringen;

Was keines wagt, das wagen seine Schwingen.«

 

»Es reißt den Geist auf schwindelnd steile Höhn,

Am Urquell alles Lichts sich zu entzünden;

Doch auch das Tiefste weiß es zu ergründen,

Und aus dem wilden Kampf der freien Töne

Hebt sich verklärt im reinen Glanz das Schöne.«

 

»Und Wohllaut wohnt in ihm und Himmelsweihe,

Zum Tempel wird die Brust, ein heilig Sehnen

Ergreift den Geist und lockt die Lust der Thränen:

Sein Flügel rauschet über Grab und Zeit,

Ein Ziel glänzt sonnenhell, es heißt: Unsterblichkeit!«

 

So nimm mich hin und meine ganze Seele!

Mein glühend Herz, mein Leben weih' ich dir;

Ein heitrer Strahl des Himmels bist du mir.

Ja, deutsches Lied, du mußt den Preis erringen,

Dich schuf das Herz: – sein Lied nur kann gelingen.



(* 28.02.1790, † 16.03.1862)




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