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Der Bote


Auf ihres Schlosses Zinnen

Das holde Fräulein steht,

Durch ihren weißen Schleier

Die Abendkühle weht.

 

Sie hält in ihren Händen

Ein Täubchen, und sie drückt

Es zärtlich an den Busen,

Und blickt es an entzückt!

 

Sie läßt das Täubchen fliegen;

O, liebes Täubchen mein,

Du sollst hinüber schwingen

Dich über den blauen Rhein!

 

Sie folgt ihm mit den Augen;

So weit sie blicken kann,

Und über ihre Wange

Die warme Thräne rann!

 

Und wie der Ritter einsam

In seiner Zelle singt,

An seines Fensters Gitter

Wie Flügelschlag es klingt.

 

Er springt empor und schauet,

Die Taube flattert dort,

Ein Blatt in ihrem Schnabel

Mit der Geliebten Wort!

 

O Bote, treuer Bote!

Wie bist du mir so werth!

Du kommst an jedem Tage

Mit holder Post beschwert!

 

Du meine einz'ge Wonne,

Mein einz'ger Trost im Leid!

Sie, die Dich hat gesendet,

Sey ewig benedeit! –



(* 28.02.1790, † 16.03.1862)




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