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Beruhigung


Du liebäugelst mit dem Tage,

Doch wenn einst die Nacht wird kommen

Und der Stern ist angeglommen,

Der die Zier des Himmels macht;

 

Wenn ein wundersames Rauschen

Lind in Deine Seele flüstert,

Und Dein Auge sich umdüstert,

Und Dein Blick in Thränen lacht;

 

Und wenn zaubervolle Stimmen

Bang zugleich und lockend klingen,

Unberührt die Schleifen springen

An des jungen Busens Pracht;

 

Und die Sinne ruhn, die Seele

Sich umkränzt mit Glorienscheine,

Dann erkennst Du, liebe Kleine,

Gluth, vom Himmel angefacht!

 

Und ein Strahl fällt in die Tiefen,

Die Begierden werden schweigen,

Und ein Bild vom Himmel steigen,

Wie's Dein Ahnen kaum gedacht.

 

Dann wird Dir des lauten Tages

Buhlerischer Schein mißfallen,

Dann in Wälder wirst Du wallen,

Blau vom Aether überdacht.

 

Dann wird jedes Band sich lösen,

Das jetzt Dein Gefühl umdunkelt,

Jener Stern, der droben funkelt;

Dein Geschick ist dann vollbracht!

 

O, dann wirst Du es erkennen,

Was noch schläft in Deiner Seele;

Fruchtlos ich Dir hier erzähle

Das Geheimniß hehrer Nacht!

 

Und wenn dann mit allen Ranken

Du Dich klammerst an den Trauten,

Den die innern Augen schauten:

Schirme Dich der Liebe Macht!

 

Und er denke Dich nicht schlimmer,

Weil in ungeahnten Schlingen

Jugend Dich und Arglist fingen,

Und kein Engel Dich bewacht! –



(* 28.02.1790, † 16.03.1862)




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