Nach oben

Vermächtnis


Kein Wesen kann zu Nichts zerfallen!

Das Ewige regt sich fort in allen,

Am Sein erhalte dich beglückt!

Das Sein ist ewig, denn Gesetze

Bewahren die lebendigenSchätze,

Aus welchen sich das All geschmückt.

 

Das Wahre war schon längst gefunden,

Hat edle Geisterschaft verbunden;

Das alte Wahre, faß es an!

Verdank es, Erdensohn, dem Weisen,

Der ihr, die Sonne zu umkreisen,

Und dem Geschwister wies die Bahn.

 

Sofort nun wende dich nach innen,

Das Zentrum findest du da drinnen,

Woran kein Edler zweifeln mag.

Wirst keine Regel da vermissen;

Denn das selbständige Gewissen

Ist Sonne deinem Sittentag.

 

Den Sinnen hast du dann zu trauen;

Kein Falsches lassen sie dich schauen,

Wenn dein Verstand dich wach erhält.

Mit frischem Blick bemerke freudig,

Und wandle sicher wie geschmeidig

Durch Auen reich begabter Welt.

 

Genieße mäßig Füll und Segen;

Vernunft sei überall zugegen,

Wo Leben sich des Lebens freut.

Dann ist Vergangenheit beständig,

Das Künftige voraus lebendig,

Der Augenblick ist Ewigkeit.

 

Und war es endlich dir gelungen,

Und bist du vom Gefühl durchdrungen:

Was fruchtbar ist, allein ist wahr -

Du prüfst das allgemeine Walten,

Es wird nach seiner Weise schalten,

Geselle dich zur kleinsten Schar.

 

Und wie von alters her, im Stillen,

Ein Liebewerk nach eignem Willen

Der Philosoph, der Dichter schuf,

So wirst du schönste Gunst erzielen:

Denn edlen Seelen vorzufühlen

Ist wünschenswertester Beruf.



(* 28.08.1749, † 22.03.1832)




Bewertung:
0/5 bei 0 Stimmen

Kommentare

  • Noch kein Kommetar vorhanden!