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Der eiserne Flegel


Damiett, Damiett, du feine Stadt,

Der Türke hält dich fest;

Wir wurden müde, wurden matt,

Vor dem verdammtigen Nest.

 

Es floß das teure Christenblut

Von Zinnen und Tor herab;

So mancher Christmensch treu und gut

Fand vor Damiett sein Grab.

 

So manche Mutter im deutschen Land

Die Augen unter sich schlägt;

Es fiel der Spiegel von der Wand,

Der Wurm in der Lade sich regt.

 

So manches Mädchen im deutschen Land

Das weint sich die Augen rot;

Der Rosmarin in Blüte stand,

Und heute ist er tot.

 

Herr Hayo, der Friese, der blickte quer,

Seine Faust zum Tische kracht;

"Bei Christi Tod, ich leid′s nicht mehr,

Ein Ende wird gemacht!"

 

Er nahm den Dreschflegel von der Wand,

Von Eisen war der gebaut;

Er stieg bis auf der Mauer Rand,

Und sang so lustig und laut.

 

Er sang ein friesisches Drescherlied,

Er sang nicht gerade fein;

Er sang den Heiden Furcht ins Gemüt

Und Angst in die Hosen hinein.

 

Es klang sein Flegel die klipp die klapp,

Er drosch nach alter Art;

Er drosch ihnen Arme und Beine ab,

Er drosch nicht allzu zart.

 

Sie ließen die Mauern, sie ließen das Tor,

Sie ließen die feine Stadt;

Es stieg das heilige Kreuz empor,

Wo der Halbmond gestanden hat.

 

Herr Hayo lachte in seinen Bart

Und trank zwölf Schoppen Wein,

Und sprach: "Geht′s nicht auf gute Art,

So schlagt mit dem Dreschflegel drein."



(* 29.08.1866, † 26.09.1914)




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