Im lieben Deutschland daheime,
da wachsen viele Lebensbäume;
doch lockt die Kirsche noch so sehr,
die Vogelscheuche schreckt noch mehr.
Wir lassen uns wie Spatzen
einschüchtern von Teufelsfratzen;
wie auch die Kirsche lacht und blüht,
wir singen ein Entsagungslied:
Die Kirschen sind von außen rot,
doch drinnen steck als Kern der Tod;
nur droben, wo die Sterne,
gibt′s Kirschen ohne Kerne.
Gott Vater, Gott Sohn, Gott heiliger Geist,
die unsere Seele lobt und preist -
nach diesen sehnet ewiglich
die arme deutsche Seele sich.
Nur wo die Engel fliegen,
da wächst das ewige Vergnügen;
hier unten ist alles Sünd und Leid
und saure Kirschen und Bitterkeit.
Das Gedicht "Im lieben Deutschland" stammt von Heinrich Heine (1797 - 1856).
Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.
Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.
Zur Startseite:
Gedichte