Die Meeresfluten blitzen,

Bestrahlt vom Mondenschein.

Im schwanken Kahne sitzen

Zwei Buhlen, die schiffen allein.

 

"Du wirst ja blass und blasser,

Du Herzallerliebste mein!" -

"Geliebter! dort ruderts im Wasser,

Mein Vater holt uns ein." -

 

"Wir wollen zu schwimmen versuchen,

Du Herzallerliebste mein!" -

"Geliebter! ich hör ihn schon fluchen,

Ich höre ihn toben und schrei′n." -

 

"Halt nur den Kopf in die Höhe,

Du Herzallerliebste mein!" -

"Geliebter! das Wasser, o wehe,

Dringt mir in die Ohren hinein." -

 

"Es werden steif mir die Füße,

O Herzallerliebste mein!" -

"Geliebter! der Tod muss süße

In deinen Armen sein."


Das Gedicht "Die Flucht" stammt von   (1797 - 1856).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.
Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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