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Babylonische Sorgen


Mich ruft der Tod - Ich wollt′, o Süße,

Daß ich dich in einem Wald verließe,

In einem jener Tannenforsten,

Wo Wölfe heulen, Geier horsten

Und schrecklich grunzt die wilde Sau,

Des blonden Ebers Ehefrau.

 

Mich ruft der Tod - Es wär noch besser,

Müßt ich auf hohem Seegewässer

Verlassen dich, mein Weib, mein Kind,

Wenngleich der tolle Nordpolwind

Dort peitscht die Wellen, und aus den Tiefen

Die Ungetüme, die dort schliefen,

Haifisch′ und Krokodile, kommen

Mit offnem Rachen emporgeschwommen -

Glaub mir, mein Kind, mein Weib, Mathilde,

Nicht so gefährlich ist das wilde,

Erzürnte Meer und der trotzige Wald

Als unser jetziger Aufenthalt!

Wie schrecklich auch der Wolf und der Geier,

Haifische und sonstige Meerungeheuer:

Viel grimmere, schlimmere Bestien enthält

Paris, die leuchtende Hauptstadt der Welt,

Das singende, springende, schöne Paris,

Die Hölle der Engel, der Teufel Paradies -

Daß ich dich hier verlassen soll,

Das macht mich verrückt, das macht mich toll!

 

Mit spöttischem Sumsen mein Bett umschwirrn

Die schwarzen Fliegen; auf Nas′ und Stirn

Setzen sie sich - fatales Gelichter!

Etwelche haben wie Menschengesichter,

Auch Elefantenrüssel daran,

Wie Gott Ganesa in Hindostan. -

In meinem Hirne rumort es und knackt,

Ich glaube, da wird ein Koffer gepackt,

Und mein Verstand reist ab - o wehe! -

Noch früher, als ich selber gehe.


Heinrich Heine
(* 13.12.1797, † 17.02.1856)




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