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Verschwiegenheit B.


Grabe, wems behagt, der Rinde

Der Geliebten Namen ein;

Welcher Hirtin ich empfinde,

Flüstert keine Buch' im Hain.

Unsers Bundes Knoten schlangen

Jahre fester, doch verrieth

Auch den Saiten, die ihr klangen,

Ihren Namen nie mein Lied.

 

Ach! die Blume des Genußes

Welkt am offnen Sonnenlicht.

Zeugen unsers stillen Kusses

Gaben Neidern schnell Bericht.

Selbst den Schwur der Treue schwuren

Wir im unbetretnen Wald.

Neugier spät die kleinsten Spuren,

Eifersucht hört leis' und bald.

 

Wo das Lamm der Trauten hüpfet,

Trift man meine Herde nie.

Schüchtern und bedächtlich schlüpfet

Mein verstolner Blick auf sie.

Unverfärbt hör' ich sie nennen,

Scherz' und lache, wenn sie singt,

Und will nicht ihr Hündchen kennen,

Das liebkosend mich umspringt.

 

Hirten, lernt euch selbst bewahren!

Plauderei gebiert nur Leid.

Müßens alle gleich erfahren,

Daß ihr zu beneiden seid?

Schweigend ist der Wonne Fülle,

Gern entweicht sie dem Verdacht,

Und erwählt des Schattens Hülle,

Der sie doppelt reizend macht.

 

Leichtes Sinnes schwatzen Thoren

Von der Seele Wünschen laut;

Was des Klügern Herz erkoren,

Wird auch Freunden nicht vertraut.

Andern kein Geheimnis, bliebe

Mir mein Glück nicht schön, nicht rein.

Sag ich denn, daß ich dich liebe,

Sag ich, Theure, dirs allein!



(* 19.07.1744, † 03.03.1806)




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