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Die Blüten


Zierlich geputzt, im weißen Schleier

Harren die Blüten auf ihren Freier:

Herrn Flätterling, Herrn Sumsumsum,

Herrn Muck oder Puck oder Hummelbrumm.

 

Sind noch viel scheue Bräutchen dabei,

Die hielten sich gerne noch frei,

Bis alles auch wirklich in Ordnung sei!

Drum schließen sie eng noch den Kelch zusammen,

Bergen noch streng vor den Sonnenflammen

Ihre Narben und Pollen,

Daß die noch warten sollen.

 

Aber die anderen lockte das Licht,

Und sie wehrten sich nicht.

Und die Lustigsten und die Kühnsten,

Die sich schon ganz erschlossen,

Kichern: Wir stünden schon heut' zu Diensten

Jedem Genossen!

 

Husch, ist der Himmel schwarz und schwer

Wie die Nacht!

Hui, und da braust es schon her

Pfeilgeschwind -

Seine Hochzeit macht

Junker Wirbelwind!

 

Tanzt einen tollen Reigen

Mit den erschrockenen Zweigen,

Greift in gierigem Wüten

Alle die offenen Blüten,

Wühlt darinnen mit wilder Lust

Und zerpflückt sie an seiner Brust!

 

Ein Strahl, ein schmetternder Schlag...

Ruhig wieder blaut der Tag

Ueber dem Hag.

In den erschütterten Lüften

Liegt von versprühten,

Verflatterten Blüten

Süßes, trunkenes Düften,

Als wollten im Tode noch sagen

Sie, die der Sturm zerschlagen:

Mußten wir auch verglühn,

Wohl uns - wir starben im Blühn!

 

Doch auch die Unversehrten, die Zagen,

Haben's nun gut,

Fassen wieder Mut,

Richten sich auf mit Behagen,

Träumen von langer Sonnenglut

Und vom Früchtetragen.



(* 04.12.1866, † 29.03.1928)




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