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Die schlafende Laura


Nachlässig hingestreckt,

Die Brust mit Flor bedeckt,

Der jedem Lüftchen wich,

Das säuselnd ihn durchstrich,

Ließ unter jenen Linden

Mein Glück mich Lauren finden.

Sie schlief, und weit und breit

Schlug jede Blum′ ihr Haupt zur Erden,

Aus mißvergnügter Traurigkeit,

Von Lauren nicht gesehn zu werden.

Sie schlief, und weit und breit

Erschallten keine Nachtigallen,

Aus weiser Furchtsamkeit,

Ihr minder zu gefallen,

Als ihr der Schlaf gefiel,

Als ihr der Traum gefiel,

Den sie vielleicht jetzt träumte,

Von dem, ich hoff′ es, träumte,

Der staunend bei ihr stand,

Und viel zu viel empfand,

Um deutlich zu empfinden,

Um noch es zu empfinden,

Wie viel er da empfand.

Ich ließ mich sanfte nieder,

Ich segnete, ich küßte sie,

Ich segnete, und küßte wieder:

Und schnell erwachte sie.

Schnell taten sich die Augen auf.

Die Augen? – nein, der Himmel tat sich auf.



(* 22.01.1729, † 15.02.1781)




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3/5 bei 2 Stimmen

Kommentare

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  • Gravatar von Gisela Lehmann
    Gisela Lehmann | gile30@web.de
    vor 3 Wochen

    Sprachzauber von Lessing eines der berührenden Liebesgedichte. Oliver Steller vertonte es mit Gitarre und Gesang, begleitet von Gitarre, Kontrabass, Saxophon, bringt er noch mehr Tiefe hinein..Es tun sich Ohren, Augen und ja auch "der Himmel auf,"der Text vereinigt sich mit der letzten Zeile. Wunderbar. Ein Erlebnis. G. Lehmann