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Die Ente


Ente, wahres Bild von mir,

Wahres Bild von meinen Brüdern!

Ente, jetzo schenk′ ich dir

Auch ein Lied von meinen Liedern.

 

Oft und oft muß dich der Neid

Zechend auf dem Teiche sehen.

Oft sieht er aus Trunkenheit

Taumelnd dich in Pfützen gehen.

 

Auch ein Tier – – o das ist viel!

Hält den Satz für wahr und süße,

Daß, wer glücklich leben will,

Fein das Trinken lieben müsse.

 

Ente, ists nicht die Natur,

Die dich stets zum Teiche treibet?

Ja, sie ists; drum folg′ ihr nur.

Trinke, bis nichts übrig bleibet.

 

Ja, du trinkst und singst dazu.

Neider nennen es zwar schnadern;

Aber, Ente, ich und du

Wollen nicht um Worte hadern.

 

Wem mein Singen nicht gefällt,

Mag es immer Schnadern nennen.

Will uns nur die neid′sche Welt

Als versuchte Trinker kennen.

 

Aber, wie betaur′ ich dich,

Daß du nur mußt Wasser trinken.

Und wie glücklich schätz′ ich mich,

Wenn mir Weine dafür blinken!

 

Armes Tier, ergib dich drein.

Laß dich nicht den Neid verführen.

Denn des Weins Gebrauch allein

Unterscheidet uns von Tieren.

 

In der Welt muß Ordnung sein.

Menschen sind von edlern Gaben.

Du trinkst Wasser, und ich Wein;

So will es die Ordnung haben.



(* 22.01.1729, † 15.02.1781)




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