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Der Eintritt des Jahres 1754 in Berlin


Wem tönt dies kühnre Lied? dies Lied, zu wessen Lobe,

Hört es noch manche späte Welt?

Hier steh′ ich, sinne nach, und glüh′ und stampf′ und tobe,

Und suche meiner Hymnen Held.

 

Wer wird es sein? Vielleicht im blut′gen Panzerkleide

Des Krieges fürchterlicher Gott?

Um ihn tönt durch das Feld gedungner Krieger Freude,

Und der Erwürgten lauter Tod.

 

Wie, oder ists vielmehr in fabellosen Zeiten

Ein neuer göttlicher Apoll,

Der, schwer entbehrt, mit schnell zurückberufnen Saiten

Den Himmel wieder füllen soll?

 

Wo nicht, so werde der der Vorwurf meiner Lieder,

Der sich als Themis Rächer wies,

Und dessen frommes Schwert der gift′gen Zanksucht Hyder

Nur drei von tausend Köpfen ließ.

 

Doch ihn, Apoll und Mars, in Friedrichen vereinet,

Vereine, mein Gesang, auch du!

Wann einst ein junger Held bei seinem Grabe weinet,

So zähl′ ihm seine Taten zu!

 

Fang an von jenem Tag′ – Doch, welch ein neues Feuer

Reißt mich vom niedern Staub′ empor?

Auch Könige sind Staub! Seid ihnen treu; dem treuer,

Der sie zu besserm Staub′ erkor.

 

Wer wird, voll seines Geists, mir seinen Namen melden?

Sein Nam′ ist ihm allein bewußt.

Er ist der Fürsten Fürst, er ist der Held der Helden;

Er füllt die Welt und meine Brust.

 

Er rief sie aus des Nichts nur ihm folgsamen Schlunde;

Er ruft sie noch, daß sie besteht.

Sie bebt, sie wankt, so oft ein Hauch aus seinem Munde

Den Fluch in ihre Sphären weht.

 

O dreimal Schrecklicher! – – doch voller Quell des Guten,

Du bist der Schreckliche nicht gern.

Den weiten Orient zerfleischen deine Ruten;

Uns, Vater, zeigst du sie von fern.

 

Wie, daß des Undanks Frost die trägen Lippen bindet,

Volk, dem er Heil, wie Flocken, gibt!

Ihm dank′ es, wenn ein Jahr in süßer Ruh verschwindet;

Ihm dank′ es, daß dich Fried′rich liebt.



(* 22.01.1729, † 15.02.1781)




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