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Die Menschen stehen vorwärts in den Straßen


Die Menschen stehen vorwärts in den Straßen

Und sehen auf die großen Himmelszeichen,

Wo die Kometen mit den Feuernasen

Um die gezackten Türme drohend schleichen.

 

Und alle Dächer sind voll Sternedeuter,

Die in den Himmel stecken große Röhren.

Und Zaubrer, wachsend aus den Bodenlöchern,

In Dunkel schräg, die einen Stern beschwören.

 

Krankheit und Mißwachs durch die Tore kriechen

In schwarzen Tüchern. Und die Betten tragen

Das Wälzen und das Jammern vieler Siechen,

Und welche rennen mit den Totenschragen.

 

Selbstmörder gehen nachts in großen Horden,

Die suchen vor sich ihr verlornes Wesen,

Gebückt in Süd und West, und Ost und Norden,

Den Staub zerfegend mit den Armen-Besen.

 

Sie sind wie Staub, der hält noch eine Weile,

Die Haare fallen schon auf ihren Wegen,

Sie springen, daß sie sterben, ′nun′ in Eile,

Und sind mit totem Haupt im Feld gelegen.

 

Noch manchmal zappelnd. Und der Felder Tiere

Stehn um sie blind, und stoßen mit dem Horne

In ihren Bauch. Sie strecken alle viere

Begraben unter Salbei und dem Dorne.

 

[Das Jahr ist tot und leer von seinen Winden,

Das wie ein Mantel hängt voll Wassertriefen,

Und ewig Wetter, die sich klagend winden

Aus Tiefen wolkig wieder zu den Tiefen.]

 

Die Meere aber stocken. In den Wogen

Die Schiffe hängen modernd und verdrossen,

Zerstreut, und keine Strömung wird gezogen

Und aller Himmel Höfe sind verschlossen.

 

Die Bäume wechseln nicht die Zeiten

Und bleiben ewig tot in ihrem Ende

Und über die verfallnen Wege spreiten

Sie hölzern ihre langen Finger-Hände.

 

Wer stirbt, der setzt sich auf, sich zu erheben,

Und eben hat er noch ein Wort gesprochen.

Auf einmal ist er fort. Wo ist sein Leben?

Und seine Augen sind wie Glas zerbrochen.

 

Schatten sind viele. Trübe und verborgen.

Und Träume, die an stummen Türen schleifen,

Und der erwacht, bedrückt von andern Morgen,

Muß schweren Schlaf von grauen Lidern streifen.



(* 30.10.1887, † 16.01.1912)




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