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Und noch einmal


Noch einmal hin zum Jugendthal,

Mit sieben und siebzig Jahren!

Warum nicht dieses Eine Mal

Dem Sehnen noch willfahren?

 

Nicht sicher sind die Schritte mehr

Und nicht mehr hell die Augen,

Doch frohe Wallfahrt ist nicht schwer,

Wohlan, sie werden taugen!

 

Schau', wie die Abendsonne ruht

Dort auf der Felsburg Trümmern!

Nie sah ich noch in solcher Gluth

Die stolze Höhe schimmern.

 

Vermag des Lichtes Kraft allein

So wunderbar zu weben?

Sind's Geister, die im goldnen Schein

Von ferne grüßend schweben?

 

Der Pfad am kleinen klaren Fluß

Sei rasch jetzt eingeschlagen,

Dorthin, wo an des Thales Schluß

Der Thurm, die Giebel ragen,

 

Dorthin, wo jeder Stein mich kennt,

In die vertrauten Räume,

Hinauf in's dämm'rige Dorment –

Da träum' und träum' und träume!

 

Erscheinet, seid zur Stelle gleich,

Ihr frischen, wilden Knaben,

Und müßt' ich aus dem Todtenreich

Bald auch den letzten graben!

 

Empfang', o alterbraunes Haus,

Die munteren Gesellen!

Horch, schon durchhallt der Jugend Braus

Die klösterlichen Zellen!

 

Sie schwärmen aus dem engen Thor

Hinaus in Bergesklüfte,

Wie Gemsen klettern sie empor

An steiler Felsenhüfte.

 

Sie zieh'n mit Jauchzen und Gesang

Durch's Wiesenthal zum Walde

Und weiter rollt der helle Klang

Von Halde fort zu Halde.

 

Die Augen leuchten, Lust und Schwung

Strahlt aus den offnen Mienen,

O, sie sind glücklich, sie sind jung

Und ich, und ich mit ihnen!

 

Nun aber hin zum kühlen Grund,

Am Ueberhang der Buchen

In dem geheimnißvollen Rund

Die Nixe zu besuchen!

 

»Bist wieder da? Mich freut's, du weißt,«

Hör' ich die Gute hauchen,

»Komm nur, den todesreifen Geist

In's reine Blau zu tauchen!«



(* 30.06.1807, † 14.09.1887)




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