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Pastors Abendspaziergang


Das Abendrot brennt an des Himmels Saum,

ich schlendre so, als wie im halben Traum,

zum Dorf hinaus auf grünem Wiesenwege

am Wald hinunter, wie ich täglich pflege.

 

Rings auf der Wiese wimmelt es und schafft,

vom frischen Heu kommt mit gewürz'ger Kraft

ein süsser Duft auf kühler Lüfte Wogen,

mein alter Liebling, zu mir hergezogen.

 

Rot, Blau und Gold, ein ganzes Farbenreich,

betrachtet sich im spiegelhellen Teich,

Wildenten sieht man durch die Wellen streben

und hoch in Lüften Weih und Sperber schweben.

 

Ein flüsternd Wehen geht im dunkeln Wald,

die Vögel rufen, dass es weithin schallt,

die Unke will sich auf der Flöte zeigen,

die Grille zirpt und auch die Schnaken geigen.

 

Studieren wollt' ich einen Predigtplan,

nun hör' ich selbst die grosse Predigt an,

voll Kraft und Mark, ein Menschenherz zu stärken,

die grosse Predigt von des Meisters Werken.



(* 30.06.1807, † 14.09.1887)




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