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Fliegen-Orakel


Nach meinem Mittagsmahle

Bei heißem Sonnenstrahle

Saß ich in guter Ruh'.

Halb las ich in der Zeitung,

Halb fiel das Aug' mir zu.

 

Da kommt hereingeflogen,

Da schweift in trägem Bogen

Eine Mucke, dick und schwer,

Mit Sumseln und mit Brumseln

Um meinen Lehnstuhl her.

 

Bald hör' ich sie an den Scheiben

Mit dem Kopfe trommeln und reiben,

Bald fliegt sie her zu mir,

Neckt mich mit Surren und Kitzeln,

Das dumpfe, träge Thier,

 

Thut auf den Schädel mir sitzen,

Der von dem Sorgen und Schwitzen

Tagtäglich kahler wird,

Dann kriecht sie mir auf der Nase,

Dann wird das Ohr umschwirrt.

 

Da fühlt' ich's in mir tagen:

Sie wollte mir etwas sagen

Als ein Orakulum,

Es wollte nur Wahrheit künden

Ihr schläfriges Gebrumm.

 

Und was sie da gesumselt,

Und was sie da gebrumselt,

Verstand ich alsobald.

Es hieß: O . . . . . . . . . . . . . . .

O . . . . . . .! du wirst alt!



(* 30.06.1807, † 14.09.1887)




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