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Das graue Lied


Warum wird mir so dumpf und düster doch,

So matt und trüb um die beengte Seele,

Wenn ich an einem grauen Nachmittag

An meinen Büchern mich vergeblich quäle, –

 

Wenn wie ein aschenfarbiges Gewand

Der Himmel hängt ob den verschlafnen Auen

Und weit und breit von dem geliebten Blau

Nicht eine Spur das Auge kann erschauen?

 

Ein Geiglein tönt aus einem fernen Haus,

Man hört es kaum, gefühlvoll thät' es gerne,

Gezognem Weinen eines Kindes gleich

Mit dünnem Klang langweilig in die Ferne.

 

Kein Lüftchen geht, kein Grün bedeckt die Flur,

Der Lenz ist da, doch will's ihm nicht gelingen,

Die alten Streifen winterlichen Schnee's

In Wald und Graben endlich zu bezwingen.

 

So öd und still! Das schwarze Vöglein nur,

Das frierend sitzt auf jenes Daches Fahnen,

Zieht langgedehnten traur'gen Laut hervor,

Als wollt' es an ein nahes Unglück mahnen.

 

Ich weiß es wohl, solch grauer Nachmittag

Ist all mein Wesen, all mein Thun und Treiben.

Nicht Wehmuth ist's, nicht Schmerz und auch nicht Lust,

Das Wort spricht's nicht, die Feder kann's nicht schreiben.

 

Mir ist, als war' ich selber Grau in Grau,

Zu viel der Farbe scheint mir selbst das Klagen,

Ob Leben Nichts, ob Leben Etwas ist,

Wie sehr ich sinne, weiß ich nicht zu sagen.



(* 30.06.1807, † 14.09.1887)




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