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Am See


Wo ist er denn?

Im Gras, im Klee

Sitzt er am See,

Am stillen See,

Die Welle regt gelind

Ein leiser Wind.

 

Was thut er denn

Dort drüben, schau'!

Taucht rein und blau,

Silbern und blau

Hoch aus der Wolken Flor

Gebirg empor.

 

Dort blickt er hin.

Er gedenkt der Zeit,

Der gewesenen Zeit,

Da hoch und weit

Ihn trug über Berg und Thal

Der Sehnen Stahl.

 

Ob milder Tag,

Ob Sturmeswuth,

Sturzregenfluth,

Ob Sonnengluth,

Ob glatt, ob rauh die Bahn,

Vorwärts, hinan!

 

Der Wildbach bricht,

Daß der Fels erkracht,

Nieder mit Macht

In der Schlünde Nacht,

Aufschrickt der Wiederhall

Vom Donnerschall.

 

Mit festem Schritt

Vorbei am Tod,

Den der Abgrund droht,

Am jähen Tod,

Den schmalen Steg entlang

Geht's ohne Bang.

 

So frisch, so leicht

In Wanderlust

Athmet die Brust,

Die freie Brust!

Bei Hirten labt im Thal

Das schlichte Mahl.

 

Was möcht' er denn?

Er möcht' auch heut

Wie in alter Zeit

Fortwandern weit,

Weit von der Städte Qualm

Zur luft'gen Alm.

 

Er hat's versucht.

Hinweggerafft

Fand er die Kraft,

Die unerschlafft

Bis über siebzig Jahr

Geblieben war.

 

Wie wird ihm denn?

Die Sonne sinkt,

Wird Purpur und sinkt,

Die Welle trinkt

Aufzitternd den goldnen Schein,

Den Feuerwein.

 

Der Himmel flammt,

Berghäupter glüh'n,

Lichtfunken sprüh'n

In des Schilfes Grün,

Es erröthet im Weidenbau

Das kühle Grau.

 

Ein Ruck, und hinab

Ist sie getaucht,

Ueber's Wasser haucht,

Flüstert und haucht

Wie ein Erinnern lind

Ein leiser Wind.



(* 30.06.1807, † 14.09.1887)




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