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Die Philosophen


Lehrling

Gut, dass ich euch, ihr Herrn, in pleno beisammen hier finde;

Denn das Eine, was not, treibt mich herunter zu euch.

 

Aristoteles

Gleich zur Sache, mein Freund! Wir halten die Jenaer Zeitung

Hier in der Hölle und sind längst schon von Allem belehrt.

 

Lehrling

Desto besser! So gebt mir, ich geh′ euch nicht eher vom Halse,

Einen allgültigen Satz, und der auch allgemein gilt.

 

Erster

Cogito, ergo sum. Ich denke, und mithin so bin ich!

Ist das Eine nur wahr, ist es das Andre gewiss.

 

Lehrling

Denk′ ich. so bin ich. Wohl! Doch wer wird immer auch denken!

Oft schon war ich, und hab′ wirklich an gar nichts gedacht.

 

Zweiter

Weil es Dinge doch gibt, so gibt es ein Ding aller Dinge;

In dem Ding aller Ding′ schwimmen wir, wie wir so sind.

 

Dritter

Just das Gegenteil sprech′ ich. Es gibt kein Ding als mich selber;

Alles Andre, in mir steigt es als Blase nur auf.

 

Vierter

Zweierlei Dinge lass′ ich passieren, die Welt und die Seele;

Keins weiß vom andern, und doch deuten sie beide auf Eins.

 

Fünfter

Von dem Ding weiß ich nichts, und weiß auch nichts von der Seele.

Beide erscheinen mir nur, aber sie sind doch kein Schein.

 

Sechster

Ich bin Ich und setze mich selbst, und setz′ ich mich selber

Als nicht gesetzt, nun gut, hab′ ich ein Nicht-Ich gesetzt.

 

Siebenter

Vorstellung wenigstens ist! Ein Vorgestelltes ist also;

Ein Vorstellendes auch; macht mit der Vorstellung Drei.

 

Lehrling

Damit lock′ ich, ihr Herrn, noch keinen Hund aus dem Ofen.

Einen erklecklichen Satz will ich, und der auch was setzt!

 

Achter

Auf theoretischem Feld ist weiter nichts mehr zu finden;

Aber der praktische Satz gilt doch; Du kannst, denn du sollst!

 

Lehrling

Dacht′ ich′s doch! Wissen sie nicht Vernünftiges mehr zu erwidern,

Schieben sie′s Einem geschwind in das Gewissen hinein.

 

David Hume

Rede nicht mit dem Volk! Der Kant hat sie alle verwirret.

Mich frag′, ich bin mir selbst auch in der Hölle noch gleich.

 

Rechtsfrage

Jahre lang schon bedien′ ich mich meiner Nase zum Riechen;

Hab′ ich denn wirklich an sie auch ein erweisliches Recht?

 

Pufendorf

Ein bedenklicher Fall! Doch die erste Possession scheint

Für dich zu sprechen, und so brauche sie immerhin fort!

 

Gewissensskrupel

Gern dien′ ich den Freunden, doch tu′ ich es leider mit Neigung

Und so wurmt es mir oft, dass ich nicht tugendhaft bin.

 

Entscheidung

Da ist kein anderer Rat, du musst suchen, sie zu verachten,

Und mit Abscheu alsdann tun, wie die Pflicht dir gebeut.



(* 10.11.1759, † 09.05.1805)




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