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Der Pilgrim


Noch in meines Lebens Lenze

War ich, und ich wandert′ aus,

Und der Jugend frohe Tänze

Ließ ich in des Vaters Haus.

 

All mein Erbteil, meine Habe

Warf ich fröhlich glaubend hin,

Und am leichten Pilgerstabe

Zog ich fort mit Kindersinn.

 

Denn mich trieb ein mächtig Hoffen

Und ein dunkles Glaubenswort,

Wandle, rief′s, der Weg ist offen,

Immer nach dem Aufgang fort,

 

Bis zu einer goldnen Pforten

Du gelangst, da gehst du ein,

Denn das Irdische wird dorten

Himmlisch, unvergänglich sein.

 

Abend ward′s und wurde Morgen,

Nimmer, nimmer stand ich still;

Aber immer blieb′s verborgen,

Was ich suche, was ich will.

 

Berge lagen mir im Wege,

Ströme hemmten meinen Fuß.

Über Schlünde baut′ ich Stege,

Brücken durch den wilden Fluss.

 

Und zu eines Stroms Gestaden

Kam ich, der nach Morgen floss;

Froh vertrauend seinem Faden,

Warf ich mich in seinen Schoß.

 

Hin zu einem großen Meere

Trieb mich seiner Wellen Spiel;

Vor mir liegt′s in weiter Leere,

Näher bin ich nicht dem Ziel.

 

Ach, kein Steg will dahin führen,

Ach, der Himmel über mir

Will die Erde nie berühren,

Und das Dort ist niemals Hier!



(* 10.11.1759, † 09.05.1805)




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