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Auf ein altes Mädchen


Dein Auge glüht nicht mehr, wie einst,

Und deine Wang′ ist nicht mehr rot,

Und wenn du jetzt vor Sehnsucht weinst,

So gilt es keinem, als dem Tod.

Nichts bist du, als ein Monument,

Das, halb verwittert und gering,

Nur kaum noch einen Namen nennt,

Mit dem ein Leben unterging.

 

Doch, wie hervor die Toten gehn

Aus ihrer Gruft in mancher Nacht,

Darfst du zuweilen auferstehn

Zu altem Glanz und alter Pracht,

Wenn tief dich ein Gefühl ergreift,

Wie es vielleicht dich einst bewegt,

Und dir den Schnee vom Herzen streift,

Der längst sich schon darauf gelegt.

 

Da bist du wieder, wie zuvor,

Und was die Mutter einst entzückt,

Wodurch du der Gespielen Chor

Einst anspruchlos und still beglückt,

Das alles ist noch einmal dein,

Von einem Wunderstrahl erhellt,

Gleichwie vom späten Mondenschein

Die rings in Schlaf begrabne Welt.

 

Mir aber wird es trüb zumut,

Mir sagt ein unbekannter Schmerz,

Daß tief in dir verschlossen ruht,

Was Gott bestimmt hat für mein Herz,

Und will′s dann hin zu dir mich ziehn,

Ach, mit allmächtiger Gewalt,

So muß ich stumm und blutend fliehn,

Denn du bist wieder tot und kalt.



(* 18.03.1813, † 13.12.1863)




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