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Der Blutstropfen


Zur Zeit der Lese wars im Winzerhaus.

Des Herdes goldne Flamme prasselte,

Die Fensterscheiben überhauchten sich

Und draussen scholl das Evoe geisterhaft

Aus Nebeldämmer. Becher klangen. Jung

Und alt empfand die bacchische Gewalt.

Mit einem zarten Schimmer röteten

Selbst ihr die Wangen sich, die unser Gast

Und dieser Erde Gast nicht lange war,

Ein stilles, scheues, ungezähmtes Kind.

Zum Reigen rief Lyäus. Jene schlich

Sich weg. Ins Freie blickte sie hinaus

Durchs Fenster. Dann beschrieb sie träumerisch

Die ganz sich unbeachtet Wähnende

Die Scheibe mit dem Finger. Weh! umstellt,

Belauert wurde sie von einem Schwarm

Und überfallen. Rasch in Trümmer schlug

Das Antlitz glutbedeckt, die Scheibe sie

Sich selbst verwundend. Dieses Tüchlein hier

Das als Reliquie mir im Schreine liegt

Fing, über die verletzte Hand gelegt

Das Quellen eines Tropfen Blutes auf

Der warm ihr eben erst im Herzen rann.

 

Jung schwand sie hin, und kein Lebendger weiss,

Was dort geschrieben auf der Scheibe stand -

Als dieser bleiche Tropfen Bluts vielleicht.



(* 11.10.1825, † 28.11.1898)




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