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Des toten Bräutigams Lied


Ich ging auf grünen Wegen

Und trug den Hochzeitskranz,

Treu Lieb ging mir entgegen

Geschmückt mit gleichem Glanz.

O wie blinkte ihr Krönlein schön,

Eh die Sonne wollt untergehn!

 

Und als die lichte Wonne

Sich unter Wolken barg,

Da spielt die letzte Sonne

Im Kranz auf meinen Sarg.

O wie blinkte etc.

 

Es ging im Witwenschleier

Treu Lieb mit mir zu Grab,

Und schwur, mein einzger Freier

Sinkt mir mit dir hinab.

O wie blinkte etc.

 

Sie steckt die Myrtenkrone

Auf meinen Totenkranz,

Die Weiber sprachen: Schone

Ihn für den neuen Hans.

O wie blinkte etc.

 

Sie wollt ihn mir nur geben,

Wollt keines andern sein,

Da lacht das volle Leben

Mir in das Grab hinein.

O wie blinkte etc.

 

Wer meine Kron erblickte

Und ihre Myrte drauf,

Zu seinem Nachbar nickte:

Der wacht einst selig auf.

O wie blinkte etc.

 

Doch als neun Monde gingen

Stets müder durch den Sand,

Den Strohkranz sie ihr hingen

Ans Haus ob ihrer Schand.

O wie blinkte etc.

 

Und die ihr Häcksel streuen

Zur Nacht vor ihre Tür,

Die hören′s Kindlein schreien,

Ich kann ja nichts dafür.

O wie blinkte etc.

 

Auf meiner Krone wehen

Noch ihre Myrten stets,

Doch die sie schimmern sehen,

Die sprechen: ja so geht′s!

O wie blinkte etc.

 

Dem Tode hingegeben

Hat sie ihr Kränzlein leicht,

Da hat das schlechte Leben

Den Strohkranz ihr gereicht,

O wie blinkte etc.

 

Ihr Kind am Kirchhof spielet,

Und mit dem Abendlicht

Hin nach dem Kränzlein schielet,

Und recht unschuldig spricht,

O wie blinkte etc.

 

Da hatt ich keine Ruhe

Und mußte auferstehn,

Und ging aus meiner Truhe

Das Kränzlein einzusehn,

O wie blinkte etc.

 

Ich wollt den Kranz mir holen,

Ins Grab mir auf das Herz,

Das Kind hat ihn gestohlen,

Da fühlt ich wieder Schmerz,

O wie blinkte etc.

 

Konnt nicht die Stimm erheben,

Nicht schreien: Den Kranz gib her,

Das Totsein wie das Leben

War mir unendlich schwer.

O wie blinkte etc.

 

Da half mir das Gewissen,

Es nahm dem Kind den Kranz,

Ich hab ihn unzerrissen,

Ich hab ihn rein und ganz.

O wie blinkte etc.

 

Um einen guten Namen

Freit sie den ärmsten Mann,

Da sie zur Kirche kamen,

Sah sie die Kron nicht an,

O wie blinkte etc.

 

Da sprach ich aus der Truhe:

Hab Dank für Lust und Schmerz,

Dein Kranz mit ewger Ruhe

Kühlt mir das treue Herz,

O wie blinkte etc.

 

Wohl mir, daß ich gestorben,

Als er im vollen Glanz,

Mir bist du nicht verdorben,

Ich habe deinen Kranz.

O wie blinkte etc.

 

Treu will ich ihn aufheben,

Wenn wir uns wiedersehn,

Sollst du im bessern Leben

Mit ihm gezieret gehn.

O wie blinkte etc.

 

Denn eine einzge Treue

Ist aller Liebe wert,

Und eine einzge Reue

Zerbricht das Richterschwert,

O wie blinkte etc.

 

Dies hört sie, ist gegangen

Still mit dem armen Mann,

Und sah nun ohne Bangen

Mein einsam Krönlein an!

O wie blinkte etc.

 

Und wenn die Abendwinde

Leis durch die Kronen ziehn,

Spricht sie zu ihrem Kinde,

Gottlob, die Zeit geht hin.

O wie blinkte mein Krönlein schön,

Eh die Sonne wollt untergehn!



(* 09.09.1778, † 28.07.1842)




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