Nach oben

Abschied vom Rhein


Nun gute Nacht! mein Leben,

Du alter, treuer Rhein.

Deine Wellen schweben

Klar im Sternenschein;

Die Welt ist rings entschlafen,

Es singt den Wolkenschafen

Der Mond ein Lied.

 

Der Schiffer schläft im Nachen

Und träumet von dem Meer;

Du aber, Du mußt wachen

Und trägst das Schiff einher.

Du führst ein freies Leben,

Durchtanzest bei den Reben

Die ernste Nacht.

 

Wer dich gesehen, lernt lachen;

Du bist so freudenreich,

Du labst das Herz der Schwachen

Und machst den Armen reich.

Du spiegelst hohe Schlösser

Und füllest große Fässer

Mit edlem Wein.

 

Auch manchen lehrst du weinen.

Dem du sein Lieb entführt;

Gott wolle die vereinen,

Die solche Sehnsucht rührt:

Sie irren in den Hainen,

Und von den Echosteinen

Erschallt ihr Weh.

 

Und manchen lehret beten

Dein tiefster Felsengrund;

Wer dich im Zorn betreten,

Den ziehst du in den Schlund:

Wo deine Strudel brausen,

Wo deine Wirbel sausen,

Da beten sie.

 

Mich aber lehrst du singen:

Wenn dich mein Aug ersieht,

eine freudeselig Klingen

Mir durch den Busen zieht;

Treib fromm mir meine Mühle,

Jetzt scheid ich in der Kühle

Und schlummre ein.

 

Ihr lieben Sterne, decket

Mir meinen Vater zu.

Bis mich die Sonne wecket,

Bis dahin mahle du:

Wirds gut, will ich dich preisen,

Dann sing in höhern Weisen

Ich dir ein Lied.

 

Nun werf ich dir zum Spiele

Den Kranz in deine Flut:

Trag ihn zu seinem Ziele,

Wo dieser Tag auch ruht.

Gut Nacht, ich muß mich wenden,

Muß nun mein Singen enden,

Gut Nacht, mein Rhein!



(* 09.09.1778, † 28.07.1842)




Bewertung:
4/5 bei 3 Stimmen

Kommentare

  • Noch kein Kommetar vorhanden!