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Morgenlied


Der Morgenstrahl

Steht auf dem Tal,

Die Nebel ziehen drunter her,

Und auf der Au

Liegt still der Tau

Wie Perlen in dem weißen Meer.

Wie ich nun Alles recht beschaut,

Da wird mir′s rege im Gemüte,

Daß Alles nur ein Wort, ein Laut,

O Gott, von deiner Lieb und Güte!

 

Die Erd′ in Pracht

Hast du gemacht

Für mich, dein ungetreues Kind,

Und den Azur

Der Wolkenflur,

Für mich den frischen Morgenwind.

Ach, alle Worte sind zu schwach,

Um deine Liebe zu verkünden,

Und dennoch läßt mein Streben nach,

Und jeder Tag sieht mich in Sünden.

 

Herr, steh mir bei,

Der du aufs Neu

Mir einen jungen Tag verliehn;

Der Geist ist wach,

Das Fleisch ist schwach,

Und ohne Frucht ist mein Bemühn.

Doch deine Hand ist stark und fest,

Will ich nur willig sie umfassen;

Ach, wer nicht selber dich verläßt,

Den hast du nimmermehr verlassen.

 

O Herr, wenn oft

Und unverhofft

Mich kleine Kränkungen bedrohn,

Sei mein Gesicht

Zu dir gericht′,

Und mein Gedanke sei: dein Lohn!

Ach, manches Leiden groß und schwer

Gabst du mir Gnade zu besiegen,

Und vor der kleinen Sorgen Heer

Sollt′ meine Stärke unterliegen?

 

Herr, mich befrei

Von falscher Scheu,

Von Hoffahrt und von Ungeduld,

Und all mein Sinn

Sich wende hin

Zu deinem Kreuz und meiner Schuld.

Wer diesen Tag mich schmäht und kränkt,

Dem laß mich gern und treu verzeihen,

Und ihn laß, eh die Nacht sich senkt,

Vor dir sein Unrecht still bereuen.

 

Zu deinem Preis,

Auf dein Geheiß

Will ich an meine Pflichten gehn;

Wie auch die Welt

Sie rings umstellt,

Ich will nur deinen Willen sehn.

Mein Wirken über Haus und Kind,

Das ruht in deinen weisen Händen,

Was sich mit deinem Preis beginnt,

Das muß zu deinem Ruhme enden.



(* 12.01.1797, † 24.05.1848)




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