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Im Grase


Süße Ruh′, süßer Taumel im Gras,

Von des Krautes Arome umhaucht,

Tiefe Flut, tief tief trunkne Flut,

Wenn die Wolk′ am Azure verraucht,

Wenn aufs müde, schwimmende Haupt

Süßes Lachen gaukelt herab,

Liebe Stimme säuselt und träuft

Wie die Lindenblüt′ auf ein Grab.

 

Wenn im Busen die Toten dann,

Jede Leiche sich streckt und regt,

Leise, leise den Odem zieht,

Die geschloßne Wimper bewegt,

Tote Lieb′, tote Lust, tote Zeit,

All die Schätze, im Schutt verwühlt,

Sich berühren mit schüchternem Klang

Gleich den Glöckchen, vom Winde umspielt.

 

Stunden, flüchtger ihr als der Kuß

Eines Strahls auf der trauernden See,

Als des ziehenden Vogels Lied,

Das mir nieder perlt aus der Höh,

Als des schillernden Käfers Blitz,

Wenn den Sonnenpfad er durcheilt,

Als der heiße Druck einer Hand,

Die zum letzten Male verweilt.

 

Dennoch, Himmel, immer mir nur

Dieses Eine nur für das Lied

Jedes freien Vogels im Blau

Eine Seele, die mit ihm zieht,

Nur für jeden kärglichen Strahl

Meinen farbig schillernden Saum,

Jeder warmen Hand meinen Druck,

Und für jedes Glück meinen Traum.



(* 12.01.1797, † 24.05.1848)




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