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Glaube


O Welt, wie soll ich dich ergründen

In aller deiner argen List?

Wo soll ich Treu und Glauben finden,

Da du so falsch und treulos bist?

Wo ich mich wende, hier und dort,

Da kömmt die Täuschung mir entgegen;

Die Lüge steht an allen Wegen

Und spricht ein trügerisches Wort.

 

Drum will ich nicht an Menschen glauben,

Und nur an dich, mein Gott allein;

Daß nichts mir deine Treu kann rauben,

Dess mag mein Herz sich wohl erfreun.

Was auch die Welt dagegen spricht

Und hunderttausend Menschenzungen:

Wer von des Glaubens Kraft durchdrungen,

Der wanket nicht und weichet nicht.

 

Wohl weiß ich, daß ein sinnlos Heer

Dich, o mein Gott, will ganz verkennen,

Vielmehr ein nichtig Ungefähr

Als seinen Herrn und Schöpfer nennen;

Allein ich glaube, daß sie blind

Und ganz verwirrt das Heil verfehlen,

Und daß die arm verirrten Seelen

Aus deinem Wink entsprungen sind.

 

Ich weiß, daß Jesu heil′ge Wunden,

O du mein allbarmherz′ger Gott,

Schon manches Herz zu hart gefunden,

Schon oft geduldet Hohn und Spott;

Allein ich glaub′, o Jesu gut,

Daß du getragen ihre Sünden;

Und können sie noch Gnade finden,

So ist es durch dein kostbar Blut.

 

Ich weiß, daß meinen trüben Augen

Die heiligste Dreifaltigkeit

In ihrem Glanz nicht möge taugen,

Dieweil wir wandeln in der Zeit;

Allein ich glaube, daß alsdann,

Wenn wir des Fleisches sind entbunden

Und uns um Gottes Thron gefunden,

Mein Blick sie klar erkennen kann.

 

Ich weiß, daß deine Bahn auf Erden,

Maria, o du reine Magd,

Ein Anstoß mußte Manchem werden,

In dem die Gnade nicht getagt;

Allein ich glaub′, o Gottesbraut,

Daß dich ihr Irrtum tief betrübe,

Und daß dein Auge noch mit Liebe

Und mit Erbarmen auf sie schaut.

 

Ich weiß, daß Gottes heil′ge Scharen

Und ihr gerechter Lebenslauf

Ein Spott schon manchem Frevler waren,

Ein Ärgernis dem schwachen Hauf;

Doch glaube ich, daß sie ihr Teil

Als Gottes Kämpfer treu gestritten,

Und daß sie unaufhörlich bitten

Für ihrer sünd′gen Brüder Heil.

 

Ich weiß, daß Viel′ zur Erde sehen

Und hängen fest an dieser Zeit,

Die ihre eigne Seele schmähen

Und leugnen die Unsterblichkeit;

Allein ich glaube, daß sie nicht

Vor deinem Zorne schützt ihr Beben,

Wenn sie nun zitternd Zeugnis geben

Vor deinem ewigen Gericht.

 

Ich weiß, o Herr, daß hier auf Erden

Mir Manches hart und bitter ist,

Und daß mein Herz in den Beschwerden

Oft deine Güte ganz vermißt;

Allein ich glaube, daß die Nacht

Dereinst vor deinem Strahl wird tagen,

Und meine Lippe preisend sagen:

Der Herr hat Alles wohl gemacht.

 

Ja, er hat Alles wohl beschlossen,

Und treu und wahrhaft ist sein Wort;

Darum, mein Herz, sei unverdrossen

Und trau auf deinen sichern Hort.

Ja nur an dich, mein Gott, allein,

Nicht an die Menschen will ich glauben;

Daß nichts mir deine Treu kann rauben,

Des mag mein Herz sich wohl erfreun!



(* 12.01.1797, † 24.05.1848)




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Kommentare

  • Gravatar von Lucy
    Lucy | fronika@gmx.net
    vor rund 6 Jahren

    Das Gedicht ist zienlich altmodisch und enthält trotzdem eine tiefe Wahrheit. Besonders die letzten beiden Strophen gefallen mir sehr. Diese Frau muss eine Menge durchgemacht haben!