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Ein Sommertagstraum


Im tiefen West der Schwaden grollte,

Es stand die Luft, ein siedend Meer,

An meines Fensters Vorhang rollte

Die Sonnenkugel, glüh und schwer;

Und wie ein Kranker, lang gestreckt,

Lag ich auf grünen Sophakissen,

Das Haupt von wüstem Schmerz zerrissen,

Die Stirne fieberhaft gefleckt.

 

Um mich Geschenke, die man heute

Zu meinem Wiegenfest gesandt,

Denare, Schriften, Meeres Beute,

Ich hab′ mich schnöde abgewandt;

Zum Tode matt und schlafberaubt

Studiert′ ich der Gardine Bauschen

Und horchte auf des Blutes Rauschen

Und Klingeln im betäubten Haupt.

 

Zuweilen dehnte sich ein Murren

Den Horizont entlang, es schlich

Am Hag ein Rieseln und ein Surren,

Wie flatternder Libelle Strich;

Betäubend zog Resedaduft

Durch des Balkones offne Türen,

In jeder Nerve war zu spüren

Die schwefelnde Gewitterluft.

 

Da plötzlich schien sich aufzurichten

Am Fensterrahm ein Schattenwall,

Und mählich schob die dunklen Schichten

Er näher an den glühen Ball.

Durch der Gardine Spalten zog

Ein frischer Hauch, ich schloß die Augen,

Um tiefer, tiefer einzusaugen,

Was leise spielend mich umflog.

 

Genau vernahm ich noch das Rucken

Des flatternden Papiers, das Licht

Der Stufe sah ich schmerzend zucken;

Ob ich entschlief? mich dünkt es nicht.

Doch schneller schien am Autograph

Das dürre Züngelchen zu wehen,

Ein glitzernd Aug′ der Stein zu drehen,

Die Muschel dehnte sich im Schlaf.

 

Und nächt′ger Mücke zu vergleichen

Umsäuselte mich halber Klang,

Am Teppich schien es sacht zu streichen

Und lief des Polsters Saum entlang,

Wie wenn im zitternden Papier

Der Fliege zarte Füßchen irren;

Und heller, feiner aus dem Schwirren

Drang es wie Wortes Hauch zu mir.



(* 12.01.1797, † 24.05.1848)




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