Daß ich dich so verkümmert seh′,

Mein lieb lebend′ges Wasserreich,

Daß ganz versteckt in Eis und Schnee

Du siehst der plumpen Erde gleich;

 

Auch daß voll Reif und Schollen hängt

Dein überglaster Fichtengang:

Das ist es nicht, was mich beengt,

Geh′ ich an deinem Bord entlang.

 

Zwar in der immer grünen Zier

Erschienst, o freundlich Element,

Du ähnlich den Oasen mir,

Die des Arabers Sehnsucht kennt;

 

Wenn neben der verdorrten Flur

Erblühten deine Moose noch,

Wenn durch die schweigende Natur

Erklangen deine Wellen doch.

 

Allein auch heute wollt′ ich gern

Mich des kristallnen Flimmers freun,

Belauschen jeden Farbenstern

Und keinen Sommertag bereun:

 

Wär′ nicht dem Ufer längs, so breit,

Die glatte Schlittenbahn gefegt,

Worauf sich wohl zur Mittagszeit

Gar manche rüst′ge Ferse regt.

 

Bedenk′ ich nun, wie manches Jahr

Ich nimmer eine Eisbahn sah:

Wohl wird mir′s trüb und wunderbar,

Und tausend Bilder treten nah.

 

Was blieb an Wünschen unerfüllt,

Das nähm′ ich noch gelassen mit:

Doch ach, der Frost so manchen hüllt,

Der einst so fröhlich drüber glitt!


Das Gedicht "Ein harter Wintertag" stammt von (* 1797-01-12, † 1848-05-24).





Ein Gedicht ist eine besondere sprachliche Ausdrucksform, das aus Versen (und Strophen) besteht, die sich i.d.R. reimen.
Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern verdichten Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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