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Die tote Lerche


Ich stand an deines Landes Grenzen,

an deinem grünen Saatenwald,

und auf des ersten Strahles Glänzen

ist dein Gesang herabgewallt.

Der Sonne schwirrtest du entgegen,

wie eine Mücke nach dem Licht,

dein Lied war wie ein Blütenregen,

dein Flügelschlag wie ein Gedicht.

 

Da war es mir, als müsse ringen

ich selber nach dem jungen Tag,

als horch ich meinem eignen Singen

und meinem eignen Flügelschlag;

die Sonne sprühte glühe Funken,

in Flammen brannte mein Gesicht,

ich selber taumelte wie trunken,

wie eine Mücke nach dem Licht.

 

Da plötzlich sank und sank es nieder,

gleich toter Kohle in die Saat,

noch zucken sah ich kleine Glieder

und bin erschrocken dann genaht;

dein letztes Lied, es war verklungen,

du lagst, ein armer kalter Rest,

am Strahl verflattert und versungen

bei deinem halbgebauten Nest.

 

Ich möchte Tränen um dich weinen,

wie sie das Weh vom Herzen drängt,

denn auch mein Leben wird verscheinen,

ich fühl′s, versungen und versengt;

dann du, mein Leib, ihr armen Reste!

dann nur ein Grab auf grüner Flur,

und nah nur, nah bei meinem Neste,

in meiner stillen Heimat nur!



(* 12.01.1797, † 24.05.1848)




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