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An Elise


Am 19. November 1843

 

Du weißt es lange wohl, wie wert du mir,

Was sollt′ ich es nicht froh und offen tragen,

Ein Lieben, das so frischer Ranken Zier

Um meinen kranken Lebensbaum geschlagen?

Und manchen Abend hab′ ich nachgedacht,

In leiser Stunde träumerischem Sinnen,

Wie deinen Morgen, meine nah′nde Nacht

Das Schicksal ließ aus Einer Urne rinnen.

 

Zu alt zur Zwillingsschwester möchte ich

Mein Töchterchen dich nennen, meinen Sprossen,

Mir ist, als ob mein fliehend Leben sich,

Mein rinnend Blut in deine Brust ergossen.

Wo flammt im Herzen mir ein Opferherd,

Daß nicht der deine loderte daneben,

Von gleichen Landes lieber Luft genährt,

Von gleicher Freunde frommen Kreis umgeben?

 

Und heut, am Sankt Elisabethentag,

Vereinend uns mit gleichen Namens Banden,

Schlug ich bedächtig im Kalender nach,

Welch′ Heilige am Taufborn uns gestanden;

Da fand ich eine königliche Frau,

Die ihre milde Segenshand gebreitet,

Und eine Patriarchin, ernst und grau,

Nur wert um den, des Wege sie bereitet.

 

Fast war es mir, als ob dies Doppelbild

Mit strengem Mahnen strebe uns zu trennen,

Als wollt′ es dir die Fürstin zart und mild,

Mir nur die ernste Hüterin vergönnen;

Doch — lächle nicht — ich hab′ mich abgekehrt,

Bin fast verschämt zur Seite dir getreten;

Nun wähle, Lieb, und die du dir beschert,

Zu der will ich, als meiner Heil′gen beten.



(* 12.01.1797, † 24.05.1848)




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