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Seufzer


Es blühen die Blümlein im Thal und auf Höhn′;

Sie kleiden sich alle in Farben so schön,

Ein jedes nach seiner Weise.

Sie duften so lieblich, sie duften so fein:

Was kann denn so hold wie die Blumen noch sein?

Ich singe den Blumen zum Preise.

 

Die Vögelein fliegen von Zweig zu Zweig;

Sie haben ein freies und glückliches Reich

Und singen zu Gottes Ehre.

Die Lerche, sie jubelt, die Nachtigall klagt,

Kein Vogel, wie er zu singen hat, fragt.

O, daß ich ein Vögelein wäre! ′

 

Die Sterne, sie glänzen so feurig und mild;

Das Weltmeer woget so kräftig und wild;

Die Bächlein murmeln so leise:

Frei äußert sich Alles in Wald und Flur,

Und Alles und Alles nach seiner Natur,

Und Alles auf seine Weise!

 

Des Menschen Geist aber ist Duft und Klang,

Und Glanz und Blüthe und wilder Drang,

Er ist der Gott auf Erden!

Und ist er nicht frei, ist es höllische Schmach,

Daß der Göttliche seine Fesseln nicht brach,

Und frei und frei muß er werden!



(* 27.03.1810, † 25.10.1876)




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