Ein Esel dacht: den schweren Sack

Willst du nicht länger tragen;

Er wurde hager, blaß und spack

Und stöhnte und thät klagen;

Jedoch, sobald der Müller da,

So rief er bloß I-a, I-a!

 

Es ging ein Jahr um′s andere hin:

Der Esel mußte tragen;

Doch trüb und trüber ward sein Sinn,

Er thät erbärmlich klagen.

Jedoch, wenn er den Müller sah,

So rief er bloß I-a, I-a!

 

Doch endlich kommt er nicht mehr fort,

Konnt′ nicht den Sack mehr tragen;

Drauf gab er sich sein Ehrenwort,

Sei Leiden laut zu klagen;

Jedoch, als er den Müller sah,

So rief er bloß I-a, I-a!

 

Er wurde alt, er wurde krank,

Thät immer heft′ger klagen,

Jedoch sein ganzes Lebelang

Hat er den Sack getragen.

Als sterbend er den Müller sah,

Da röchelt er I-a, I-a!

 

In Stockau, Augs- und Lüneburg,

In Cassel und in Wesel!

Was einmal Esel durch und durch,

Das ist und bleibt ein Esel!

Was auch geschieht und was geschah,

Der Esel schreit I-a, I-a!


Das Gedicht "I-A!" stammt von   (1810 - 1876).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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