Auf dem Aegäermeer wird einst ein Handelsmann

Von einem schnellen Sturm ergriffen.

Er wendet sich, so gut er kann,

Und darf nur langsam seitwärts schiffen.

Allein es mehret sich die Noth,

Er und die meisten Sklaven klagen;

Die alten hoffen auf den Tod,

Die jungen melden sich, die Rettung noch zu wagen;

Nur halten sie dafür um ihre Freiheit an,

Doch die wird allen abgeschlagen.

 

Bald aber reißt der Sturm Mast, Stamm und Segel nieder.

Da ruft er: Freunde, fasset Muth!

Wir sinken; doch ich bin euch gut;

Ich geb′ euch jetzt die Freiheit wieder.

 

Wie kriechend äußert sich gemeiner Seelen Güte!

Wer karg ist, bleibt′s bis in den Tod,

In jedem Stand, im Glück, in Noth,

Und nichts erhöhet sein Gemüthe.


Das Gedicht "Der großmüthige Herr und seine Sklaven" stammt von (* 1708-04-23, † 1754-10-28).





Ein Gedicht ist eine besondere sprachliche Ausdrucksform, das aus Versen (und Strophen) besteht, die sich i.d.R. reimen.
Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern verdichten Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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