Freude, Göttin edler Herzen!

Höre mich.

Laß die Lieder, die hier schallen,

Dich vergrößern, dir gefallen:

Was hier tönet, tönt durch dich.

 

Muntre Schwester süßer Liebe!

Himmelskind!

Kraft der Seelen! Halbes Leben!

Ach! was kann das Glück uns geben,

Wenn man dich nicht auch gewinnt?

 

Stumme Hüter todter Schätze

Sind nur reich.

Dem, der keinen Schatz bewachet,

Sinnreich scherzt und singt und lachet,

Ist kein karger König gleich.

 

Gib den Kennern, die dich ehren,

Neuen Muth,

Neuen Scherz den regen Zungen,

Neue Fertigkeit den Jungen,

Und den Alten neues Blut.

 

Du erheiterst, holde Freude!

Die Vernunft.

Flieh′, auf ewig, die Gesichter

Aller finstern Splitterrichter

Und die ganze Heuchlerzunft!


Das Gedicht "An die Freude (II)" stammt von (* 1708-04-23, † 1754-10-28).





Ein Gedicht ist eine besondere sprachliche Ausdrucksform, das aus Versen (und Strophen) besteht, die sich i.d.R. reimen.
Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern verdichten Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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