Andromache

 

Will sich Hektor ewig von mir wenden,

Wo Achill mit den unnahbarn Händen

Dem Patroklus schrecklich Opfer bringt?

Wer wird künftig deinen Kleinen lehren

Speere werfen und die Götter ehren,

Wenn der finstre Orkus dich verschlingt?

 

Hektor

 

Teures Weib, gebiete deinen Tränen,

Nach der Feldschlacht ist mein feurig Sehnen,

Diese Arme schützen Pergamus.

Kämpfend für den heil′gen Herd der Götter

Fall′ ich, und des Vaterlandes Retter

Steig′ ich nieder zu dem styg′schen Fluss.

 

Andromache

 

Nimmer lausch′ ich deiner Waffen Schalle,

Müßig liegt dein Eisen in der Halle,

Priams großer Heldenstamm verdirbt.

Du wirst hingehn, wo kein Tag mehr scheint,

Der Cocytus durch die Wüsten weint,

Deine Liebe in dem Lethe stirbt.

 

Hektor

 

All mein Sehnen will ich, all mein Denken,

In des Lethe stillen Strom versenken,

Aber meine Liebe nicht.

Horch! Der Wilde tobt schon an den Mauern,

Gürte mir das Schwert um, lass das Trauern!

Hektors Liebe stirbt im Lethe nicht.


Das Gedicht "Hektors Abschied" stammt von   (1759 - 1805).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Weitere gute Abschiedsgedichte zum schmökern.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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