Verschwunden ist die finstre Nacht,
Die Lerche schlägt, der Tag erwacht,
Die Sonne kommt mit Prangen
Am Himmel aufgegangen.
Sie scheint in Königs Prunkgemach,
Sie scheinet durch des Bettlers Dach,
Und was in Nacht verborgen war,
Das macht sie kund und offenbar.

Poch! Poch! Geduld da draußen, wer’s auch ist!
Den Pförtner laßt sein Morgenlied vollenden.
Ein guter Tag fängt an mit Gottes Preis;
’s ist kein Geschäft so eilig, als das Beten.

Lob sei dem Herrn und Dank gebracht,
Der über diesem Haus gewacht,
Mit seinen heiligen Schaaren
Uns gnädig wollte bewahren.
Wohl Mancher schloß die Augen schwer
Und öffnet sie dem Licht nicht mehr;
Drum freue sich, wer, neu belebt,
den frischen Blick zur Sonn‘ erhebt.

Anmerkung: Das "Lied des Pförtners" stammt aus Friedrich Schillers Übersetzung von Shakespeares Macbeth (2. Aufzug, 5. Auftritt)


Das Gedicht "Gesang des Pförtners" stammt von   (1759 - 1805).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.



Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





Zur Startseite: Gedichte