Was zürnst Du unsrer frohen Jungendweise,

Und lehrst, dass Lieben Tändeln sei?

Du starrest in des Winters Eise,

Und schmählest auf den goldnen Mai.

 

Einst, als Du noch das Nymphenvolk bekriegtest,

Ein Held des Karnevals, den deutschen Wirbel flogst,

Ein Himmelreich in beiden Armen wiegtest,

Und Nektarduft von Mädchenlippen sogst,

 

Ha, Seladon! Wenn damals aus den Achsen

Gewichen wär′ der Erde schwerer Ball -

Im Liebesknäul mit Julien verwachsen.

Du hättest überhört den Fall!

 

O denk′ zurück nach Deinen Rosentagen

Und lerne: Die Philosophie

Schlägt um, wie unsre Pulse anders schlagen;

Zu Göttern schaffst Du Menschen nie.

 

Wohl, wenn ins Eis des klügelnden Verstandes

Das warme Blut ein bisschen muntrer springt,

Lass den Bewohnern eines bessern Landes,

Was nie dem Sterblichen gelingt.

 

Zwingt doch der irdische Gefährte

Den gottgebornen Geist in Kerkermauern ein,

Er wehrt mir, dass ich Engel werde,

Ich will ihm folgen, Mensch zu sein.


Das Gedicht "An einen Moralisten" stammt von   (1759 - 1805).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

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Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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