Du heiliges und weites Meer,
Wie ist dein Anblick mir so hehr!
Sei mir im frühen Strahl gegrüßt,
Der zitternd deine Lippen küßt!

Wohl mir, daß ich, mit dir vertraut,
Viel tausendmal dich angeschaut!
Es kehrte jedesmal mein Blick
Mit innigem Gefühl zurück.

Ich lausche dir mit trunknem Ohr;
Es steigt mein Geist mit dir empor,
Und senket sich mit dir hinab
In der Natur geheimes Grab.

Wenn sich zu dir die Sonne neigt,
Errötend in dein Lager steigt;
Dann tönet deiner Wogen Klang
Der müden Erde Wiegensang.

Es höret dich der Abendstern,
Und winket freundlich dir von fern;
Dir lächelt Luna, wenn ihr Licht
Sich millionenfältig bricht.

Oft eil' ich aus der Haine Ruh
Mit Wonne deinen Wogen zu,
Und senke mich hinab in dich,
Und kühle, labe, stärke mich.

Der Geist des Herrn den Dichter zeugt;
Die Erde mütterlich ihn säugt;
Auf deiner Wogen blauem Schoß
Wiegt seine Phantasei sich groß.

Der blinde Sänger stand am Meer;
Die Wogen rauschten um ihn her,
Und Riesenthaten goldner Zeit
Umrauschten ihn im Feierkleid.

Es kam zu ihm auf Schwanenschwung
Melodisch die Begeisterung,
Und Ilias und Odyssee
Entstiegen mit Gesang der See.

Hätt' er gesehn, wär' um ihn her
Verschwunden Himmel, Erd' und Meer,
Sie sangen vor des Blinden Blick
Den Himmel, Erd' und Meer zurück.

Februar 1777.


Das Gedicht "An das Meer" stammt von   (1750 - 1819).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

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