Du wanderst nach dem Süden,
Beglückter Schwalbenreihn!
Holst dort des Jahres Krone,
Den milden Sommer ein.
Falls eins von euch erkranket
Vom wochenlangen Weg,
Kaum trinkt′s die Luft des Süden,
Ist alle Schwäche weg.
O könnt′ ich doch euch folgen
In jene Balsamluft,
Gemischt aus Sonnenstrahlen
Und süßem Blumenduft!
Ich würde bald genesen,
Dies ist des Arztes Wort,
Verlebt′ ich nur acht Monden
Im warmen Süden dort.
Hier aber muß ich sterben:
Wie wird der Tod mir schwer!
Kehrt ihr im Lenz zum Norden,
Bin, Schwalben, ich nicht mehr!
Das Gedicht "Du wanderst nach dem Süden..." stammt von Elisabeth Kulmann (1808 - 1825).
Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.
Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.
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