Umsonst ist dein Bemühen,

O Sumpf, mich anzulocken!

Wie sehr mir auch dein sammtnes,

Nur zart begrastes Ufer,

Wie sehr mir auch dein Schilfrohr,

Das Winde sanft bewegen,

Und die goldfarbnen Blumen

Gefallen, die dich zieren

Und sich, wie dein Gewässer,

Erheben oder senken,

Werd′ ich dir doch nicht nahen.

Zu viel hat mir die Mutter

Erzählt von den Gefahren,

Die auf den Unerfahrnen,

Der dir zu nah kommt, lauern,

In deinem Schlamme wohnen

Die gelbgefleckte Kröte,

Und gier′ge Wasserschlangen,

Die, wenn sie Kinder sehen,

Schnell auf das Ufer kommen

Und um den Fuß sich winden,

Der tief und immer tiefer

In die vermeinte Wiese

Versinkt, bis endlich Rettung

Unmöglich ist. Das steht uns

Bevor am hellen Tage.

Hat sich die Nacht gesenket,

So lockest du den Wandrer

Von weitem an mit deinen

Unsteten, leichten Flammen,

Die in der Geisterstunde

(Vielleicht, wer kann das wissen,

Sind selbst sie Geister) seltsam

Sich hin und her bewegen

In schauerlichen Tänzen.

Nein, Sumpf! vergebens harrst du

Auf mich; mir schaudert, wenn ich

Auch nur so an dich denke.


Das Gedicht "Der Sumpf" stammt von   (1808 - 1825).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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