Inmitten einer lieblichen Au,

Die kristallenes Licht übergoß,

Stand ehemals ein stolzer Bau,

Ein strahlend schönes Schloß.

Das Reich, wo es sich luftig erhob,

War des Königs »Gedanke« Land,

Und Seraphschwingen waren darob

Unsichtbar ausgespannt.

 

Goldgelbe Banner aus Damast

Wallten in Sonnenglut

Herab vom schimmernden Palast

Wie eine goldene Flut.

Und jeder schmeichlerische Zephyr,

Der mit den Blüten dort

Gekost, flog aus dem Zauberrevier

Als Wohlgeruch wieder fort.

 

Die Wanderer blickten in jenem Tal

Durch Fenster aus leuchtendem Glas

In einen hohen, blendenden Saal,

Wo des Reiches Gebieter saß.

Sein Thron war ganz aus edlem Gestein

Mir purpurnem Baldachin;

Davor schlangen Genien einen Reih′n

Zu Harfenmelodien.

 

Mit Perlen und Rubinen besät

War des Palastes Portal,

Durch dieses flatterten früh und spät

Echoschwärme ohne Zahl

Vor den König hin und sangen ihm

Mit Stimmen süß und leis

Einen Chorus wie von Seraphim

Zu immerwährendem Preis.

 

Doch wüstes Volk in der Sorge Gewand

Nahm Thron und Reich in Beschlag.

Weh, nie mehr dämmert in jenem Land

Der Tag, weh, nimmer ein Tag!

Und alles, alles, was dort umher

Je prangte an Herrlichkeit,

Ist nur eine traumhafte Mär

Aus längst vergessener Zeit.

 

Jetzt zeigen sich des Wanderers Blick

Gestalten knöchern und starr

Und schwingen sich zu toller Musik

In Reigen wild und bizarr.

Dieweil gleich einem lautlosen Strom

Sich in die ewige Nacht

Zur Tür hinausstürzt Phantom um Phantom

Und nimmermehr lächelt - doch lacht!


Das Gedicht "Das Verwunschene Schloss" stammt von   (1809 - 1849).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

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