Zu Berlin im alten Schlosse
sehen wir aus Stein gemetzt
wie ein Weib mit einem Rosse
sodomitisch sich ergetzt.
Und es heißt, dass jene Dame
die erlauchte Mutter ward
unseres Fürstenstamms - Der Same
schlug fürwahr nicht aus der Art.
Ja, sie hatten alle wenig
von der menschlichen Natur,
und an jedem Preussen-König
merkte man die Pferdespur.
Stets brutal zugleich und blöde,
Stallgedanken, jammervoll,
eine Gewieher ihre Rede
eine Bestie jeder Zoll.
Du allein, du des Geschlechtes
letzter Sprößling, fühlst und denkst
wie ein Mensch, und hast ein echtes
Christenherz und bist kein Hengst.
Das Gedicht "Schlosslegende" stammt von Heinrich Heine (* 1797-12-13, † 1856-02-17).
Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.
Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.
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