Auf der Burg haus′ ich am Berge,

Unter mir der blaue See,

Höre nächtlich Koboldzwerge,

Täglich Adler aus der Höh′,

Und die grauen Ahnenbilder

Sind mir Stubenkameraden,

Wappentruh′ und Eisenschilder

Sofa mir und Kleiderladen.

 

Schreit′ ich über die Terrasse

Wie ein Geist am Runenstein,

Sehe unter mir die blasse

Alte Stadt im Mondenschein,

Und am Walle pfeift es weidlich,

- Sind es Käuze oder Knaben? -

Ist mir selber oft nicht deutlich,

Ob ich lebend, ob begraben!

 

Mir genüber gähnt die Halle,

Grauen Tores, hohl und lang,

Drin mit wunderlichem Schalle

O Langsam dröhnt ein schwerer Gang;

Mir zur Seite Riegelzüge,

Ha, ich öffne, laß die Lampe

Scheinen auf der Wendelstiege

Lose modergrüne Rampe,

 

Die mich lockt wie ein Verhängnis,

Zu dem unbekannten Grund;

Ob ein Brunnen? ob Gefängnis?

Keinem Lebenden ist′s kund;

Denn zerfallen sind die Stufen,

Und der Steinwurf hat nicht Bahn,

Doch als ich hinab gerufen,

Donnert′s fort wie ein Orkan.

 

Ja, wird mir nicht baldigst fade

Dieses Schlosses Romantik,

In den Trümmern, ohne Gnade,

Brech′ ich Glieder und Genick;

Denn, wie trotzig sich die Düne

Mag am flachen Strande heben,

Fühl′ ich stark mich wie ein Hüne,

Von Zerfallendem umgeben.


Das Gedicht "Das alte Schloß" stammt von   (1797 - 1848).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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