Die ihr auf Amors Pilgerpfaden seid,
O schaut mit Achtsamkeit,
Ob's etwas Härtres gibt, als ich muß leiden?
Ich bitte nur, daß ihr Gehör mir leiht;
Und dann gebt mir Bescheid,
Ob ich nicht Haus und Schlüssel aller Leiden.

Mir gab trotz eigener Wertlosigkeit
Aus reiner Mildigkeit
Amor ein Leben voll von süßen Freuden.
Oft hört' ich hinter mir zu jener Zeit:
"Gott, welche Würdigkeit
Mocht' ihm das Herz mit solcher Anmut kleiden?"

O wie der frohe Mut mir nun entwich,
Sonst aus dem Schatz der Liebe mich beseelend!
Drum bin ich arm und elend,
Und selbst zu sprechen scheut die Lippe sich
Drum zeig' ich, jene zum Muster wählend,
Die ihre Noth aus Scham verbergen, mich
Zwar heiter äußerlich,
Jedoch im Herzen weinend und mich quälend.


Das Gedicht "Zweites Sonett" stammt von   (1264 - 1321).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

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