Die Nachtigall sang einst ihr göttliches Gedicht,

Zu sehn, ob es die Menschen fühlten.

Die Knaben, die im Tale spielten,

Die spielten fort und hörten nicht.

Indem ließ sich der Kuckuck lustig hören,

Und der erhielt ein freudig Ach!

Die Knaben lachten laut und machten ihm zu Ehren

Das schöne Kuckuck zehnmal nach.

"Hörst du?" sprach er zu Philomelen,

"Den Herren fall′ ich recht ins Ohr.

Ich denk′, es wird mir nicht viel fehlen,

Sie ziehn mein Lied dem deinen vor."

 

Drauf kam Damöt mit seiner Schöne.

Der Kuckuck schrie sein Lied: sie gingen stolz vorbei.

Nun sang die Meisterin der zauberischen Töne

Vor dem Damöt und seiner Schöne

In einer sanften Melodei.

Sie fühlten die Gewalt der Lieder:

Damöt steht still, und Phyllis setzt sich nieder

Und hört ihr ehrerbietig zu.

Ihr zärtlich Blut fängt an zu wallen;

Ihr Auge läßt vergnügte Zähren fallen.

 

"O!" rief die Nachtigall, "da, Schwätzer, lerne du,

Was man erhält, wenn man den Klugen singt.

Der Ausbruch einer stummen Zähre

Bringt Nachtigallen weit mehr Ehre,

Als dir der laute Beifall bringt."


Das Gedicht "Die Nachtigall und der Kuckuck" stammt von   (1715 - 1769).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

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Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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