1.

 

Hört der holden Nachtigall

süssen Schall

durch den Busch erschallen:

sie will / durch ein Kling-Gedicht

ihre Pflicht

ihrem Schöpffer zahlen.

 

2.

 

In dem weiß-geschmälzten Zelt

aller Welt

seinen Ruhm sie singet:

dahin zielt ihr Müh′ und Fleiß

daß sein Preiß

hell von ihr erklinget.

 

3.

 

Dir / dir / dir / O höchster Hort

ohne Wort

pfleg′ ich Dank zu geben:

ohne End ist mein Begehr

deine Ehr′

äusserst zu erheben.

 

4.

 

Jede Feder fordert Lob

ist ein Prob

deiner milden Güte.

Gib / so offt ich sie aufschwing

daß erkling

Dank aus dem Gemüte.

 

5.

 

Jedes Würmlein / das ich iss

ist gewiß

deiner Schickung Gabe.

Nimm / Erhalter / vor die Speiß

diesen Preiß

und mich ferner labe!

 

6.

 

Dir sey Lob vor diesen Ast

wo ich rast:

doch nit / dich zu loben.

Nein! dein Ruhm wird für und für

dort und hier

hoch von mir erhoben.

 

7.

 

Du hast / schöne Singerin

meinen Sinn

auch in was ermundert.

Nur von Gottes Gnad sing ich

weil ich mich

ganz in sie verwundert.


Das Gedicht "Über die Nachtigall" stammt von   (1633 - 1694).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Weitere gute Nachtgedichte zum schmökern.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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