Ach Zuflucht! mustu denn jetzt selbst verlassen seyn /
du / du barmherzigs Herz / von dem / der selber heisset
die Erzbarmherzigkeit / der du dich stäts befleisset /
zu seyn der Armen Trost und Gnaden-Sonnen-Schein?

Du niemandlassender / erleidst Verlassungs-Pein:
dadurch dein Gnaden-Kron stäts von Erbarmung gleisset.
der aller Elenden Beschwernussen zerreisset /
den druckt Hülfflosigkeit / der schwerest Vnglück-Stein.

Herr / diese Nöhten-Klag hast du vor mich gethan:
daß mir's am reichen Trost und Hülff nit solte fehlen.
Ja kurz: aus diesem Wort / solt mein' Errettung quellen.

Die Straff hastu erdult / mich geht sie nicht mehr an.
Mein Jesus / laß mich dich und diß zu Herzen fassen:
du woltest nicht nur seyn / ja selbsten dich / verlassen.


Das Gedicht "Auf Christi Verlassenheit am Creutz" stammt von   (1633 - 1694).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

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Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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