Florinde / soll ich dich ersuchen /

Und hab ich nicht zu grob gespielt /

So sage doch nur / ob dein fluchen

Auff freundchafft oder feindschafft zielt?

Sonst muß ich fort / sonst muß ich fliehn /

Und dir aus deinen augen ziehn.

 

Ein griff wird dich ja nicht verdriessen /

Greifft man doch wohl den käyser an;

Du weist ja / daß aus griff und küssen

Kein krancker leib entstehen kan:

Denn was von aussen nur geschehn /

Läßt keine grosse flecken sehn.

 

Ein feigenbaum ist auffgeschossen /

Daß man ihn endlich brechen soll;

Ein apffel / den kein mund genossen /

Schmeckt auch nicht in den augen wohl /

So quillt aus überdeckter brust /

Auch keine rechte liebes-lust.

 

Drum laß den marmel deiner brüste

Mir länger nicht verschlossen seyn;

Nimm die begierden meiner lüste

Zu deinen engen pforten ein /

Und mache meine schwarze hand

Mit deiner weissen haut bekandt.

 

Ich werffe meine liebes-flammen

In deinen auffgeblehten schnee /

Streich du nur alle krafft zusammen /

Und kühle meines herzens weh /

So lieb ich dich / so liebst du mich /

So lieben wir uns inniglich.

 

Jedoch verzeihe mir / Florinde /

Daß ich so frey mit dir gescherzt /

Du fühlest nicht / was ich empfinde /

Noch was mich in der seele schmerzt.

Du siehst zwar meiner liebe wahn /

Nicht aber meine kranckheit an.

 

Was fleisch ist / muß vom fleische leben /

Ich bin kein engel oder geist;

Drum wundre dich nicht / daß mich eben

Ein trieb auff deine brüste reißt /

Und dencke / wer du auch schon bist /

Daß nichts umsonst gewachsen ist.


Das Gedicht "An Florinden" stammt von   (1665 - 1729).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

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